Geschichte
Raku
Im 16. Jahrhundert produziert der japanische Töpfer Chojiro neben Ziegeln einfache bäuerliche Gebrauchskeramik in koreanischer Tradition. Diese Keramik ist deutlich vom direkten Einsetzen, dem Herausnehmen aus dem noch rotglühenden Ofen und seinem dadurch sehr schnellen Abkühlen gezeichnet.
Der Teezeremonienmeister Sen no Rikyu lernt Chojiro und dessen RAKU-Keramik kennen. Die Einfachheit der Gefässe in Form und Oberflächengestaltung begistert den Meister, denn er ist auf der Suche nach dem Wabi der Tee-Zeremonie: dem Einfachen, dem Schönen des Vergänglichen, der nüchternen Erhabenheit und der Freiheit von allen Konventionen. Bisher wird das Zeremoniell in einer gezierten und verschnörkelten Art praktiziert und dabei werden chinesische Porzellanschalen mit konischer Form verwendet.
Die zylindrischen Teeschalen des Chjiro gelangen so an den Herrscherhof und faszinieren auch dort. Chjiro wird mit dem goldenen Siegel und dem Titel RAKU geehrt. Dies ist die Geburtsstunde der RAKU-Dynastie, deren 14. Generation heute RAKU Kicgizeamon ist.
Um 1925 zeigt der britische Keramiker Bernhard Leach in öffentlichen Vorführungen die Technik des RAKU-Brennens in England, von wo aus sie sich in ganz Europa verbreitet.
Die keramischen Stücke, die "Scherben" werden durch den Schürbrand bei ca. 900°C vorgängig gefestigt. Danach werden sie in den heissen Ofen eingesetzt und nach 20 bis 40 Minuten, wenn die Glasur ausgeschmolzen ist, wieder entnommen. An der Luft, in kaltem Wasser oder in brennbaren Materialien vergraben, kühlt die Keramik sehr schnell ab.
Dieses Verfahren ermöglicht es dem Keramiker, die farbigen Wirkungen von Scherben und Glasur durch wechselnde Atmosphären, von Oxydation und Reduktion, während des Abkühlens zu beeinflussen und zu steuern.
RAKU-Gefässe entstehen aus einem feuerfesten Ton, der porös und so in der Lage ist, die extremen Temperaturschwankungen auszuhalten. Die Gefässe sind also relativ zerbrechlich und nicht dicht, bis sie im Laufe der Benützung durch Öl, Tee oder Fette langsam dicht werden. Die Wärmeisolation dieses Scherbens ist ausgezeichnet und die Japaner hielten ihn für die idealen Teeschalen.
Salzbrand
Der Salzbrand ist eine Sonderform keramischer Erzeugnisse. Wie beim einfachen Steinzeug liegt die Brenntemperatur zwischen 1200 °C und 1300 °C. Der Ofen muss hierbei mit offener Flamme befeuert werden - also mit Holz, Kohle, Öl oder Gas, denn im oberen Temperaturbereich wird reduzierend, dass heißt mit Kohlenstoffüberschuß, gebrannt.
Bei Erreichen der höchsten Brenntemperatur wird Kochsalz durch verschiedene Öffnungen in den Brennraum eingebracht. Die Salzkristalle verdampfen sogleich durch die Hitze und setzen sich als sogenannter "Anflug" auf die Töpfe. Das Natrium des Kochsalzes wirkt als Flussmittel und verbindet sich mit dem Quarz des Tones zu einem Silikat. Hierbei entsteht auf der Oberfläche der Töpfe eine Schmelze, welche dem Stück später sein charakteristisches Aussehen gibt.
Oft zeigen salzgebrannte Stücke eine apfelsinenhautähnliche Oberflächenstruktur - Zeichen eines sehr intensiven Salzanflugs. Fast in jedem Falle zeigen salzgebrannte Töpfe seidenmatte bis hochglänzende Oberflächen - je nach Standort im Ofen und Feuerführung.

